PM: Landkreis Kassel verwehrt Geflüchteten ihr Recht auf angemessenen Wohnraum

CI06Wenn Geflüchtete aus einer Sammelunterkunft ausziehen wollen, sollten sie dafür die nötige Unterstützung bekommen. Trotz vollmundiger Versprechen ist die politische Linie aber ganz offensichtlich eine andere, kritisieren die Betroffenen gemeinsam mit UnterstützerInnen der Gruppe Change Ihringshausen.

Vom sprichwörtlichen „Dornröschenschloss“ ist auf der Homepage des Landkreises Kassel die Rede, gemeint ist die neue Sammelunterkunft für Geflüchtete in der ehemaligen Fritz-Erler-Kaserne bei Fuldatal-Rothwesten, zu der Vizelandrätin Susanne Selbert am 27. Mai den Schlüssel in Empfang nahm. Der Landkreis will hier in Zukunft 75 Menschen unterbringen und ihnen die Möglichkeit geben, sich „in ihrer neuen Heimat erst einmal zu orientieren“. Alles wie im Märchen? Mitnichten: Während der Landkreis versucht, sich mit seinem Einsatz für die Geflüchteten zu brüsten, verwehrt er ihnen gleichzeitig eine angemessene Unterbringung.

Ausgangspunkt für die Neueröffnung der Sammelunterkunft in der ehemaligen Militärkaserne ist die am 15.01.2015 in der Hessischen Rundschau angekündigte Schließung der heruntergekommenen Sammelunterkunft in Fuldatal-Ihringshausen. Den menschenunwürdigen Zuständen in der baufälligen Unterkunft sollte damit ein Ende gesetzt werden. (mehr …)

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Offener Brief für eine dezentrale Unterbringung von Geflüchteten

Offener Brief der Gruppe “Change Ihringshausen” an die verantwortliche Vizelandrätin Susanne Selbert und den Leiter des Fachbereichs Soziales, Herrn Roßberg:

“Mit großer Bestürzung haben wir in den letzten Wochen die mediale Berichterstattung über die entsetzlichen Lebensbedingungen im Flüchtlingsheim in Fuldatal-Ihringshausen verfolgt. In dem von der privaten Betreiberfirma Human Care GmbH geführten Heim wurden zeitweise 130 Menschen auf engem Raum unter körperlich und psychisch krank machenden Bedingungen untergebracht. Wir befürworten daher den aktuellen politischen Entschluss, das Flüchtlingsheim zügig zu schließen.CI05

Jedoch löst die geplante Nachfolgeunterkunft in der abermals isoliert gelegenen Kaserne Fuldatal-Rothwesten die grundsätzlichen Probleme dieser Unterbringungsform nicht. Durch die Belegung von Mehrbettzimmern wird den BewohnerInnen die Befriedigung des grundlegenden menschlichen Bedürfnisses nach einem Minimum an Privatsphäre und Geborgenheit vorenthalten. Den Geflüchteten wird kein Raum gewährt, um die oft traumatischen Erlebnisse von Flucht, Verfolgung oder Krieg zu verarbeiten. (mehr …)